Glücklicherweise hat die Pharmaindustrie fast vollständig damit aufgehört, unsere Briefkästen mit den dümmsten Werbeprospekten zu füllen, die unweigerlich ungelesen in den Papierkorb wanderten. Auch die Zeit ist fast vorbei, als Ärztevertreter – später in Produktspezialisten oder Vizepräsidenten-Regionalberater umbenannt – sich in unseren Terminkalendern durch listige Verhandlungen mit Sekretärinnen durchkämpften und uns dann wie Kleinkinder aus vollfarbigen Produktbroschüren vorlasen. Und glücklicherweise liegen sogar die Tage hinter uns, an denen jedes Jahresendgetränk im Krankenhaus von befreundeten Arzneimittel- (oder Geräte-) Herstellern gesponsert wurde.

Aber es ist natürlich eine Illusion zu glauben, dass die Marketingabteilung der Pharmaunternehmen stillgestanden hat. Große Pharmahersteller geben jedes Jahr immer noch mehr Geld für Marketing als für die Entwicklung neuer Produkte aus. Die moderneren Methoden der Vermarktung von Pillen und anderem Zeug sind viel ausgefeilter. Eine gezielte Serie von Artikeln in der Libelle über Cholesterin oder Beschwerden nach den Wechseljahren ist viel klüger, um Patienten dazu zu bewegen, ihren Arzt zu bitten, den Cholesterinspiegel zu bestimmen oder Pillen zu verschreiben. In ähnlicher Weise führt ein Artikel in Men’s Health über erektile Dysfunktion zu einem fast sofortigen Anstieg der Nachfrage nach Verschreibungen von Phosphodiesterase-Hemmern. Und eine auffällige Publikation über Roboterchirurgie in Quest kann die Nachfrage der Patienten nach dieser Behandlungsform ankurbeln. Ein weiteres bewährtes Rezept ist die so genannte uneigennützige Unterstützung von Sturzkliniken für ältere Menschen, wo natürlich niemand ohne Rezept für eine Osteoporosepille geht. Mit der ‘Übergangsklinik’ ist es nicht ganz anders.